Zahlenschubsereien und andere Beklopptheiten
Abgelegt in: Bruce Pain 20.05.2007In Anbetracht der Situation im Gaza-Streifen und der Gefährdungslage rund um den G8-Gipfel vermutlich belanglose Gedanken einer totgeglaubten Wannabe-Legende zur Situation vor dem letzten Spieltag und dem Ausgang einer völlig unberechenbaren Saison 2006/2007.
´n Abend allerseits und herzlich Willkommen liebe Fußballfreunde!
Nachdem in Bezug auf das Leistungsniveau der 18 Elitären die Breite an der Spitze des Mittelmaßes ungeahnte Dimensionen in der nun heute endenden Spielzeit angenommen hat, konnte sich mein Alterego den einen oder anderen Kommentar nicht verkneifen. Insbesondere deshalb nicht, weil man ihm, meinem Alterego also, schon beinahe mit Geld für eine Rückkehr an die giftspritzende Schreiberlingsfront gedroht hatte…
Ach, war das fein am 33. Spieltag!
Der FC Bayern kann doch noch gewinnen, und zwar gegen die Truppe, die trotz Partnerstadt und Fanfreundschaft gen Ruhrgebiet heute rein gar nix mehr am Ausgang der Meisterschaft ändert. Dies war den Isar-Kickern in den vorangegangenen drei Ligaspielen nämlich nicht mehr gelungen und so manifestieren sie für sich, unabhängig vom Ergebnis des letzten Spieltags, das schlechteste Ergebnis seit Einführung der Drei-Punkte-Regelung. Dankenswerterweise hatten sie sich damit auch schon vorzeitig aus dem Rennen um die Champions League-Quali ausgeklinkt und spielen leistungsge- und anspruchsungerecht mal wieder im – aus eigener Sicht – minderwertigen UEFA-Cup.
Dank der großartigen Kampfansage des mindestens ebenso großartigen Uli H. aus M., dass sich viele in der nächsten Spielzeit wundern werden (Wieder mal! Gähn!), welche Rolle der FCB dann spielen wird, brauche zumindest ich mein Sympathieempfinden anlässlich dieser schier nie enden wollenden Bescheidenheit nicht zu überdenken. Während viele möglicherweise dieses ewige Pfeifen im finstern Wald als besonders clever und/oder gesunden Druck aufbauend empfinden, den ein solcher Verein nun mal eben braucht, erweckt es bei mir eher den Eindruck der Einfallslosig- und Ewiggestrigkeit mit einem ordentlichen Schuss Beleidigtsein. Wie oft durften wir uns das in den letzten Jahren schon anhören (müssen)? Beinahe ebenso oft, wie die vollmundigen Ankündigungen die Taten vermissen ließen und das Ergebnis voll ins Klo rauschte…
Ach, Uli! In der Tat werde ich sehr gespannt sein, welche Rolle ihr nächste Saison spielt. Dieselbe wie in dieser? Nämlich keine?
„Keine“ ist ein schönes Wort in diesem Zusammenhang, deshalb erinnere ich gerne noch einmal daran: Keine Titel in dieser Saison! Und noch mal in Worten: Keine Titel in dieser Saison!!! Aber woran lag’s denn nu’?
Schließlich hatte man doch rechtzeitig mit dem „General“ verlängert, um (Zwinker, zwinker!) in Ruhe arbeiten zu können und auch in der nächsten Saison wieder leidenschaftsloses Starensemblegeklumpe zu kultivieren. Vielleicht ist ein van Bommel eben doch kein Ballack… sagt ja auch schon der Name!
Was geschah eigentlich letzte Woche in Dortmund, als die Münchner die Lausitzer noch mal so richtig wütend für das große Finale in Stuttgart machten? Da spielte Schalke wie Bayern. Mit dem Unterschied, dass bei einem solchen Gestöpsel die 11 kg schwere Schale früher trotzdem in den Süden ging. Okay, das tut sie ja dieses Mal auch! Nur ein bisschen weiter westlich.
Aber mal ehrlich: Wie muss sich dieser Tage der gemeine Schalker fühlen? Ausgerechnet der schwarz-gelbe Erzrivale schießt Königsblau zur zweiten Meisterschaft der Herzen! Ist das nicht wie ein Kofferbomben-Anschlag aufs Mark einer ganzen Region, die sonst gar nichts hat? Ein Panzerfaustschuss ins blau-weiße Herz? Ein Stepptanz auf dem Minenfeld der Emotionen?
Wer könnte da noch Witze drüber machen? Ich schon! Schließlich haben nicht viele Mannschaften in der Geschichte der Bundesliga zum vierten Mal die Möglichkeit, am letzten Spieltag noch Meister zu werden und belassen es bei der Möglichkeit. Tja, wieder nix!
Aber Bruce spendet nicht nur Spott und Häme, sondern auch ein wenig Trost: Hey, S04! Kopf hoch! Eine ganze Meisterschaft verliert man nicht nur in einem einzigen Spiel! Da wurden auch vorher schon genügend Gelegenheiten ausgelassen, das Ding sicher einzufahren…
Und wer hat nicht schon einmal bittere Niederlagen gegen den Erzrivalen einstecken müssen? Besonders, wenn der mit beeindruckenden Zuschauerzahlen und Respekt einflößender Kulisse aufwarten kann. Allein in dieser Saison unzählige Zillionen Zuschauer in Dortmund und damit Platz Zwei in Europa hinter Manchester, die es auf geschätzt 34 Fantastillionen Spektatoren brachten.
Aber war dieser Karnickelfangschlag für S04 wirklich nur Zufall? Oder hat Dolli bei den Borussen doch etwas mehr bewegt, als man ihm bei van Marweiks Ablösung zutraute? Viele sahen ihn dort schon sicher scheitern. Und nun weist der Meisterkiller vor dem letzten Spieltag vier Siege in Folge und 411 Minuten ohne Gegentor vor und reist mit diesem „Gepäck“ nach Leverkusen, das mit dem Befreiungsschlag in Berlin die UEFA-Cup-Quali sicherte.
Der BVB will aber noch in den UI-Cup, benötigt hierfür unbedingt einen Sieg, wenn er nicht die Pole Position abgegeben oder von den Mitbewerbern (Hannover, Hamburg, Bielefeld und Bochum) und deren Ergebnissen abhängig sein will. Nürnberg hingegen, das durch die DFB-Pokal-Finalteilnahme automatisch für den UEFA-Cup gesetzt ist, kann sowohl Stolperstein als auch Chance für eben jene Verfolger sein, ist aber nicht von dem Ergebnis in Hannover abhängig, so wie der Gastgeber selbst. Während Leverkusen zwei der letzten drei Heimspiele und insgesamt vier der letzten sechs Begegnungen verloren hat, kann es dem BVB den internationalen Wettbewerb dennoch versagen und eine Saison mit Höhen und Tiefen versöhnlich vor eigenem Publikum abschließen.
Um die Zahlenspielereien fortzuführen bleibt auch noch zu erwähnen, dass Nürnberg nur einen mageren Punkt aus den letzten sechs Auswärtsspielen generierte und Hannover sehr heimstark in dieser Saison aufgetreten ist. Deshalb haben die Niedersachsen sogar noch ebenso gute Chancen auf den UI-Cup bei entsprechendem parallelem Spielverlauf. Na, wenigstens da isses noch spannend!
Denn die Absteiger standen ja leider auch schon nach dem 33. Spieltag fest. Und um Mainz tut es mir ganz besonders ein bisschen mehr Leid, denn ich weiß beim besten Willen nicht, wer von den zu erwartenden Aufsteigern diese Rolle in der nächsten Saison ausfüllen sollte.
Ich danke jedenfalls dieser Spaßtruppe für die überragend gute Stimmung, die sie in den letzten drei Jahren im Oberhaus verbreitet haben, wünsche ihnen viel Erfolg für einen baldigen Wiederaufstieg und noch viele gute Spiele mit diesem sympathisch be“klopp“ten Trainer. Eure Fans hätten das allemal verdient. Denn, wer trotz Abstieg seine Mannschaft so unterstützt, feiert und klar zum Ausdruck bringt „2. Liga – Na und?“, der hat auch wiederum ein solches Team mit unglaublich viel Herz verdient. Und Herz wird euch niemand ernsthaft absprechen können.
Schließlich ist es womöglich das Fehlen genau dieser Art von Herz, die die andere Borussia quasi zur Mitte der Hinrunde schon als Absteiger feststehen ließ. Man hat in Gladbach aber wirklich auch das Maximalste dafür getan, dass sich bis zum Saisonende ja nichts daran ändert. Und so ist es vielleicht ganz interessant zu wissen, dass der Torschützenkönig der nun auslaufenden Saison, der Bochumer Theofanis Gekas, am letzten Spieltag mit einem Hattrick die Möglichkeit hat, so viele Tore alleine erzielt zu haben, wie alle Gladbacher zusammen, wenn sie ihren Fans heute nicht wenigstens noch ein Tor zum Abschied schenken… Stimmt einen irgendwie nachdenklich, nicht?
Huch! Hätte ja beinahe vergessen, den verdienten Meister der Saison 2006/2007 zu würdigen. Verdient? Meiner Ansicht nach: absolut!
Nach der teils verkorksten und schwierigen Hinrunde hat Armin Veh aus diesem insgesamt recht jungen und hungrigen Material eine ungeheuer homogene, kämpferische und engagierte Truppe geformt, ohne dabei permanent auf den Putz zu hauen. In Ruhe und mit viel Akribie ist am Neckar eine Mannschaft mit schnellem, modernem, attraktivem Fußball entstanden, der sich in der nächsten Spielzeit auf höchstem internationalem Niveau beweisen darf. Viel Glück und Erfolg schon mal dafür.
Den Zweiflern oder Neidern sei entgegnet, dass Stuttgart die letzten sieben Spiele in Folge gewonnen und somit die längste Siegesserie der Vereinsgeschichte hinlegte. Allein das, während die Mitbewerber sich nicht so richtig entscheiden konnten, ob sie denn nun wirklich Meister werden wollen, ist schon ein gewichtiges Argument. Zudem wurde in der Geschichte der Bundesliga erst fünf Mal der Tabellenführer des vorletzten Spieltags nicht Deutscher Fußballmeister. Dieses Kunststück brachte vor sieben Jahren zuletzt Bayer Leverkusen zustande.
In diesem Sinne: Meinen Glückwunsch, VfB Stuttgart!
Euer Bruce Pain
(denn Totgeglaubte schreiben auch nicht kürzer)
Tags: Bruce Pain, Kolumne
Oh, nein!!! Wer hat den denn wieder aus der Versenkung geholt? Das war doch hoffentlich nur ein Versehen?!?
Das kann kein Versehen sein. Der Meister ist zurück und wird uns nun hoffentlich wieder regelmäßig über die Verhältnisse im Profifußball aufklären.
Ich weiss nun wirklich nicht, was dieser Schwachsinn soll?
Ohhhhhhh Hiiiiiiiiiiiiilfe, hoffentlich wird dieses Gesülze schnell wieder abgeschafft!
dann unterstelle ich, dass da kein intellektueller Zugang…
“…dann unterstelle ich, dass da kein intellektueller Zugang…”
Ohh, was hat es denn mit einem “intellektuellen Zugang” zu tun, wenn ich inhaltlich 64% des Beitrages nur über Bayern, Dortmund und Schlake lese? Darüberhinaus bin ich doch wohl bei einer TIPPRUNDE oder? Also was soll so ein “Bruce Pain”? Ich jedenfalls hoffe, dass das versehentliche Gesülze hoffentlich wieder abgeschafft wird
… ach wisst ihr … das mit Bruce ist doch wie mit zugekifften Rad-(und sonstigen “Sport”-)profis … solange reges Publikumsinteresse da ist, wird weitergemacht … und wenn keiner mehr hinsieht, redet irgendwann kein Mensch mehr drüber …
Ich bin echt beeindruckt über die Länge des Beitrages! Voviel muß einem erstmal einfallen! Weiter so!